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Aktuelle Informationen zu Bildung und Hochschulen
Ergebnisse der Gehaltsstudie 2009

Im Rahmen der Gehaltsstudie 2009 "Einstiegsgehälter für Hochschulabsolventen und Praktikanten" stellen wir Ihnen in regelmäßigen Abständen wichtige Detailergebnisse zur aktuellen Gehaltsstudie vor.

alma mater veröffentlicht seit 2005 Gehaltsstudien für Hochschulabsolventen und Praktikanten. Die dazugehörigen Ergebnisberichte sowie die bisher veröffentlichten Detailanalysen erhalten Sie im druckfreundlichen PDF-Format in unserem Downloadbereich von uns kostenlos. Sie stehen auf der dafür vorgesehen Internetseite "Gehaltsstudien von alma mater" für Sie nach dem Einloggen bzw. Registrieren bereit.

Detailanalyse : Einstiegschancen von Bachelor-, Master- und Diplomabsolventen

1. Einleitung

Auf der Basis des Ergebnisberichtes zur Gehaltsstudie 2009 „Einstiegsgehälter für Hochschulabsolventen und Praktikanten“ von alma mater, die seit 2005 jährlich erscheint, stellt sich die Frage nach der aktuellen Akzeptanz von Hochschulabsolventen in Unternehmen.

Dazu werden die Einstiegsmöglichkeiten für Hochschulabsolventen in den unterschiedlichen Funktionsbereichen (FB) der Unternehmen überprüft. Als FB werden diejenigen Arbeitsbereiche definiert, in welchen Absolventen nach ihrem Studium arbeiten wollen bzw. sich entsprechend dafür während ihres Studiums qualifiziert haben. Die Daten dafür entstammen den Angaben der 685 Unternehmen, die an der Umfrage zur Gehaltsstudie teilgenommen haben.

In Bezug auf die FBs ist darauf hinzuweisen, dass nicht alle bei Unternehmen auf Interesse stoßen müssen, wie etwa Fertigung oder Forschung und Entwicklung (F&E). Dies hat seine Ursache darin, dass in verschiedenen Branchen, etwa im Dienstleistungssektor, Unternehmen über keine Fertigung oder aber über keine F&E-Abteilung verfügen.
Die Analyse basiert auf den Rohdaten der Gehaltsstudie – 4.224 Gehaltsangaben von 685 Unternehmen –, die entsprechend der Fragestellung ausgewertet wurden. Es wurden einerseits 9 FBs identifiziert (Einkauf, Marketing, Vertrieb, F&E, IT-Bereich, Fertigung, Finanzen, Personal und Traineeprogramm) und andererseits wurden die Antworten der Personalverantwortlichen ausgewertet, ob diese in den verschiedenen FBs Hochschulabsolventen einstellen.

Hierbei ist anzumerken, dass für einen Studienabschluss, z.B. Bachelor, in einem der FBs nicht alle Unternehmen teilgenommen haben müssen. Logischerweise sollte die Beteiligung an FBs, die oft in Unternehmen anzutreffen sind, wie etwa Marketing, verhältnismäßig hoch sein.

Die Analyse befasst sich in den folgenden Kapiteln mit Einzelbetrachtungen zu den drei Studienabschlüssen Bachelor (BA), Master (MA) und Diplom sowie einem abschließenden Vergleich.

2. Einzelbetrachtung - Bachelor

Insgesamt belegen die Daten der Umfrage zur Gehaltsstudie 2009, dass die Einstiegsmöglichkeiten bei den Unternehmen für Hochschulabsolventen mit BA-Abschluss schwierig sind. Lediglich in 2 von 9 FB, Marketing und IT-Bereich, antwortete eine Mehrheit der Unternehmen auf Frage, ob Absolventen eingestellt werden, mit Ja. In allen übrigen FBs antworteten die Unternehmensvertreter auf die Frage, ob sie Absolventen einstellen oder nicht, mehrheitlich mit nein. Hervorzuheben sind die Ergebnisse für Fertigung, Personal, F&E, Finanzen und Einkauf.

Von den 685 teilnehmenden Unternehmen haben sich knapp 200 Personalverantwortliche zur Funktion Fertigung geäußert. Über 90% von ihnen sehen für BA-Absolventen derzeit keine Einstiegsmöglichkeiten in diesem Bereich. Dieser extrem hohe Wert bildet damit im Vergleich zu den übrigen FBs eine Ausnahme, die sich in allererster Linie durch die Besonderheit des FB erklärt. Ähnliches gilt auch für den F&E.

Was die Bereiche Personal, Finanzen und Einkauf betrifft, so liegen hier die Absagen für Absolventen zwischen 65 und 75% der mehrheitlich daran teilnehmenden Unternehmensvertreter. Umgekehrt ist dies in den beiden FB Marketing und IT-Bereich der Fall. Bei diesen beiden FBs liegt die Zustimmung bei etwa 60 bis 70%. Für den BA wurden in allen 9 FBs insgesamt 1.957 Nennungen durch die Unternehmen abgegeben.
Abbildung 1: Einstiegschancen von BA-Absolventen in allen Funktionsbereichen, alma mater 2009
Zwischenfazit:

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) erläutert auf seiner Webseite zum Bologna-Prozess: „… Der Bachelor führt bereits nach drei bis vier Jahren zu einem berufsbefähigenden Abschluss, so dass der Berufseinstieg früher als bisher möglich ist.“ Die vorliegenden Ergebnisse können dies nicht belegen. Hinsichtlich der Diskussion um die Bologna-Reform kann der Schluss gezogen werden, dass wesentliche Ziele wie die Verkürzung der Studienzeit sowie die Modularisierung und Vereinheitlichung der Berufsqualifikation bei den Unternehmen (noch) keine Akzeptanz finden. Die schwierigen Einstiegschancen für BA-Absolventen könnten zur Konsequenz haben, dass diese mit dem MA einen weiterführenden- und qualifizierenden Studienabschluss erlangen müssen, um ihre Jobperspektiven zu verbessern.

Die Ergebnisse der Gehaltsstudie 2009 verdeutlichen schließlich, dass die Unterschiede bei der Vergütung von BA- und MA-Absolventen sich zusehends verstärken. Diese Zunahme ist auch im Zusammenhang mit der kurzen Studienzeit der BA-Absolventen zu betrachten.

3. Einzelbetrachtung - Master

Im Gegensatz zu den vorliegenden Ergebnissen für BA-Absolventen zeigen die Ergebnisse der aktuellen Gehaltsstudie für MA-Absolventen im Detail deutlich bessere Einstiegschancen bei den befragten Unternehmen. Bei der Abfrage „Hier stellen wir Absolventen ein/nicht ein“ antworteten die Personalverantwortlichen bei 6 von 9 FBs mehrheitlich mit „Ja“.

Insbesondere der IT-Bereich, der Vertrieb und das Traineeprogramm stechen mit 55 bis 60% Zustimmung hervor. Es folgen Finanzen, Marketing, F&E, Personal, Einkauf und Fertigung. Letzterer FB sticht erneut hervor, da sich darin wie schon zuvor beim BA eine überwiegende Mehrheit der befragten Unternehmen gegen eine Anstellung von Masterabsolventen ausspricht.
Abbildung 2: Einstiegschancen von MA-Absolventen in allen Funktionsbereichen, alma mater 2009
Insgesamt wurden für den MA über alle FBs hinweg 2.874 Nennungen abgegeben, womit diese um rund 50% höher ausfallen als für den BA. Die deutliche Steigerung im Vergleich zum BA stellt einen klaren Beweis für die Attraktivität des MA bei Unternehmen dar.

Zwischenfazit:

Der MA-Abschluss bietet Absolventen im Hinblick auf die aktuelle Debatte um die „neuen“ Hochschulabschlüsse bessere Einstiegschancen als der BA, was sich u.a. dadurch begründet, das mit ihm eine Spezialisierung der Studierenden auf ein bestimmtes Studiengebiet einhergeht.

4. Einzelbetrachtung - Diplom

Die Ergebnisse der Gehaltsstudie 2009 zeigen, dass das Diplom nach wie vor als Messlatte für die Unternehmen bei der Einstellung akademischer Berufseinsteiger dient.

Wie zuvor beim MA-Abschluss hat sich auch beim Diplom eine Mehrheit der Unternehmen in 6 von 9 FBs für die Einstellung von Absolventen ausgesprochen. Erneut sind es der IT-Bereich, der Vertrieb sowie das Traineeprogramm, die auf die meiste Zustimmung bei den Personalverantwortlichen treffen. Hier werden Zustimmungswerte von 55 bis 65% erzielt. Auf sie folgen die FBs Finanzen, Marketing, F&E, Personal, Einkauf und Fertigung. Erneut ist es die Fertigung die wie schon für den BA und den MA den mit Abstand höchsten Wert der Ablehnung durch die Unternehmen erfährt, was auf die bereits erwähnten Ursachen zurückzuführen ist.
Abbildung 3: Einstiegschancen von Diplomabsolventen in allen Funktionsbereichen, alma mater 2009
Insgesamt wurden für das Diplom über alle FBs hinweg 2.982 Nennungen abgegeben. Das ist im Vergleich zum BA und zum MA der höchste Wert und unterstreicht, dass trotz der Umstellung auf die neuen Abschlüsse die Unternehmen das Diplom nach wie vor als sehr attraktiven Studienabschluss betrachten.

Zwischenfazit:

Das Diplom hat noch lange nicht ausgedient, wie die vorliegenden Daten der aktuellen Gehaltsstudie zeigen. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die rund 3.000 Nennungen, die für alle FBs abgegeben wurden. Diese zeigen einmal mehr die symbiotische Beziehung zwischen Unternehmen und Diplom-Absolventen. Trotz der weit vorangeschrittenen Umstellung der Studiengänge auf BA und MA behalten sie ihre Attraktivität bei den Arbeitgebern.

5. Vergleich

Welche Rückschlüsse können abschließend aus den vorherigen Ergebnissen zu den Einstiegsmöglichkeiten von BA-, MA-, und Diplom -Absolventen gezogen werden?

  • BA-Absolventen haben im Vergleich zu ihren Kommilitonen mit MA- oder Diplom-Abschluss schlechtere Berufseinstiegschancen auf dem Arbeitsmarkt.


  • Vergleichsweise geringe Akzeptanz des BA in den Unternehmen gegenüber dem MA und dem Diplom spiegelt sich in den verhältnismäßig geringen Nennungen wider.


  • MA und Diplom liegen zumeist gleich auf in der Bewertung der einzelnen FBs durch die Unternehmen, womit das Qualifikationsniveau der Absolventen als nahezu identisch aufgefasst werden kann und somit ähnliche Einstiegschancen bietet.


  • Die Äquivalenz von MA und Diplom zeigt sich nicht nur bei der Bewertung der FBs durch die Personalverantwortlichen, sondern auch in der Vergütung, bei der, wie der Ergebnisbericht zur Gehaltsstudie 2009 festhält, der MA teilweise das Diplom überholt.
  • Im Vergleich kann der BA nach der Bewertung der befragten Unternehmen lediglich im FB Einkauf mit dem MA und dem Diplom konkurrieren, ansonsten bewerten die Firmen den BA bei weitem schlechter.


  • Die mit mehr als 70% mehrheitlich positive Bewertung der Unternehmen für BA-Absolventen im FB Marketing ist eine Ausnahmeerscheinung.


  • Die besten Einstiegschancen mit allen drei Studienabschlüssen besitzen Absolventen in den FBs IT-Bereich, Marketing, Vertrieb sowie F&E.


  • Die vorliegenden Ergebnisse für die drei Studienabschlüsse spiegeln die nach wie vor virulente und uneinheitliche Diskussion um die Bologna-Studienreform wider und zeigen zugleich die Strahlkraft der traditionellen Studiengänge auf (siehe Abbildung 4).
Abbildung 4: Einstiegschancen von BA-, MA- und Diplomabsolventen in allen Funktionsbereichen, alma mater 2009

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