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JobSpezial Oktober 2008
Jobmessen: Masse statt Klasse?
Fazit

Nach so vielen neuen Eindrücken gilt es, diese zu verarbeiten, am besten, indem für jede der fünf Jobmessen entsprechende Alleinstellungsmerkmale herausgearbeitet werden. Ziel ist es nicht, eine oder mehrere Messen „in die Pfanne zu hauen“. Vielmehr sollen in der Folge durch die Einzel- und Gesamtbeurteilungen Anregungen zurückgespiegelt werden, die vielleicht eine noch klarere Positionierung gegenüber den Bewerbern und Unternehmen ermöglichen.

Die bonding hat mit der IKOM und der konaktiva Darmstadt bzw. konaktiva Dortmund gemein, dass sie ehrenamtlich von Studenten für Studenten organisiert wird. Das hat die Folge, dass man, wenn überhaupt, erst in zweiter Linie an den wirtschaftlichen Erfolg denkt. Im Vordergrund steht das sogenannte „Plus-Minus-Null“. Gerade der studentische Charakter kann ausschlaggebend dafür sein, dass man sehr genau um die Erwartungen und Hoffnungen der Bewerber weiß und ihnen ein entsprechendes Angebot auf der Messe unterbreitet. Dabei ist es umso wichtiger, die Unternehmen an diesem „Informationsvorsprung“, wenn er denn tatsächlich existieren sollte, teilhaben zu lassen.

Ein weiteres Merkmal der bonding ist der „föderale Charakter“, der ihr innewohnt: an 11 Standorten ist sie vertreten, jeweils mit individueller Schwerpunktsetzung und regionaler Organisation. Ein Vorteil insofern, als man um die örtlichen Gegebenheiten der Studenten besser Bescheid weiß. Mit rund 2.200 Euro liegt bonding für Aussteller im Vergleich auf dem zweiten Platz. Nur die IKOM ist günstiger. Mit etwa 2000 bis 4000 Besuchern im Durchschnitt ist die bonding auch bei weitem nicht so gut besucht, wie die übrigen Messen. Das kann Vorteil und Nachteil zugleich sein. Der Vorteil könnte sich darin begründen, dass aufgrund der Schwerpunktsetzung eine ausgewählte Zielgruppe anwesend ist. Andererseits könnte dies auch bedeuten, Quereinsteiger zu verhindern und somit potentielle Arbeitskräfte auszuschließen. Gerade auf dem Markt für Fachkräfte steigen inzwischen die Chancen für „Leute von außen“. Also wäre dies wiederum ein Nachteil. Ansonsten bietet die bonding Besuchern und Ausstellern gleichermaßen den gängigen Standard an Serviceleistungen in Form von Rahmenprogrammen, Online-Stellenangeboten oder einem Messekatalog.
Die EINSTIEG Hamburg ist im Gegensatz zur bonding und ähnlich der TALENTS in München kommerzieller Herkunft und wird von der gleichnamigen GmbH organisiert, die weitere Messen in der Republik anbietet. Ein Merkmal der EINSTIEG Hamburg ist, dass sie sich gezielt an einen großen Kreis von Besuchern richtet, der mit Berufsausbildung und Studium vertraut ist. Ergo sind dies nicht nur Schüler und Studenten, sondern auch Eltern und Lehrer. Auch bei den Ausstellern macht es die Mischung, denn vor Ort sind neben Unternehmen auch Verbände und weiterbildende Einrichtungen.

Mit 2.000 bis 2.500 Euro erzielt die EINSTIEG Hamburg pro Aussteller im Vergleich mit den übrigen vier Messen einen Platz im Mittelfeld. Allerdings kann der Preis sinken, wenn man sich mit anderen einen Gemeinschaftsstand teilt, was wiederum ein Vorteil für kleine Aussteller sein kann, zum einen finanziell und zum anderen imagefördernd, denn wann man als Kleiner neben einem Großen steht, bringt alleine die Tatsache mehr Publikum. Ein weiteres Merkmal ist, das die Hamburger vor und nach der Messe keine Jobbörse im Internet einrichten. Dies mit dem Verweis, dass trotz der 35.000 Besucher in diesem Jahr ein traditioneller Info-Point ausreichend war, um Kontaktgespräche auf der Basis konkreter Jobangebote zu initiieren. Im Vergleich mit den vier übrigen Messen eine entgegengesetzte Vorgehensweise, welche sich offenbar auszahlt: sowohl Aussteller als auch Besucher waren sehr zufrieden.
Die frühere „Industriekontakte München“ und heutige IKOM München ist ähnlich altehrwürdig wie die bonding, denn sie existiert schon seit 1989. Gemein hat sie mit ihr und der konaktiva Darmstadt bzw. konaktiva Dortmund darüber hinaus den „studentischen Charakter“. Und hier wird Non-Profit großgeschrieben. Zugleich bedeutet dies, dass alle Aussteller, die sich nicht explizit an die Regeln halten, suspendiert werden. Das zeugt von einem gesunden und für den Besucher mitunter wertvollen Selbstbewusstsein der Münchener. Ihrer Anziehungskraft tut dies keinen Abbruch, im Gegenteil, wohl fördert es ihre Reputation auf dem breitgefächerten Messemarkt in der Bundesrepublik. Mit 1.900 Euro erwischen Aussteller hier den günstigsten Preis für ihre Präsenz im Jobmessen-Vergleich des aktuellen JobSpezials. Dies kann von Vorteil sein, gerade für mittlere und kleine Unternehmen, sich zu zeigen und mit attraktiven Angeboten zu locken.

Eine Besonderheit ist die Zusammenarbeit mit dem Carreer-Service der TU-München, was vor allem die ganzjährige Online-Jobbörse mit rund 2.000 Angeboten betrifft. Hier werden Synergieeffekte geschaffen, die beiden etwas bringen. Ein reichhaltiges Rahmenprogramm mit Veranstaltungen über das ganze Jahr rundet den Auftritt der IKOM München ab.
Die „konaktiven“ Darmstadt und Dortmund sind wie die bonding und die IKOM München von Studenten für Studenten ehrenamtlich geführte Messen. Beide sind sowohl bei Ausstellern als auch bei Besuchern recht beliebt, wie die Zahlen und die Umfragen belegen. Das die konaktiva Dortmund für Aussteller preislich etwas höher liegt als die Konkurrenz, hängt ganz entscheidend mit der Exklusivität des „All-Inclusive-Angebots“ zusammen. Eine Besonderheit der „Dortmunder“ ist wohl die Betonung der Gleichbehandlung der Aussteller, die ihren Messestand nicht etwa nach der Zahl der Quadratmeter bezahlen müssen, sondern im Paket mit weiteren hochwertigen Leistungen. Ebenfalls wird eine Online-Jobbörse angeboten. Im Vergleich zu Dortmund muss Darmstadt hier bisher passen. Allerdings ist man keineswegs untätig und plant mit der TU Darmstadt ein derartiges Angebot. Zudem ist Darmstadt die ältere Messe. Und was die Zahlen belegen, auch diejenige der beiden, die in der Gunst von Bewerbern und Unternehmen die „Nase“ leicht vorne hat. Ob dies jedoch entscheidend für künftige Bewerber ist, sei dahingestellt. Eher ist es das Angebot an Bewerber und Unternehmen, das überzeugen muß.
Last but not least ist die TALENTS München, an der Reihe. Neben der EINSTIEG Hamburg die einzige Jobmesse für Studierende, Absolventen und Young Professionals mit bis zu 5 Jahren Berufserfahrung, die von einem Unternehmen organisiert wird. Eine Besonderheit der TALENTS München ist, dass sie auch von der Berliner Politik wahrgenommen wird und Bundesminister Glos als Schirmherr fungiert. Das bringt zusätzliches Renommee und Glaubwürdigkeit. Ein wichtiger Aspekt, der aber bei den meisten anderen Jobmessen ebenfalls gewährleistet ist, sind die vorab festgelegten Bewerberinterviews bei Unternehmen, wodurch nicht nur das „Anstellen“ wegfällt, sondern die Übereinstimmung von Bewerber- und Unternehmensprofil gesteigert werden kann. Das zeigt auch die Qualität der Kandidaten, die die TALENTS München besuchen.

Es bleibt festzuhalten, dass Jobmessen enormen Zulauf haben, da seitens der Bewerber hoher Bedarf besteht. Insbesondere das konkrete Gespräch mit Firmenvertretern, die Kontaktaufnahme, passgenaue Stellenangebote durch Vorauswahl mittels der Veranstalter sowie eine über die Gruppe der Fachkräfte hinausgehende Orientierung in Richtung Geisteswissenschaften werden von den Studierenden, Absolventen und Young Professionals verlangt.

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